Trockene Augen
Definition
Trockene Augen sind eine komplexe Störung von Tränenfilm und Augenoberfläche durch verminderten Tränenfluss oder vermehrte Verdunstung, welche mit physisch-psychischem Unbehagen oder visueller Beeinträchtigung einhergeht.
Die Ursachen sind vielfältig. Die Bezeichnung "Trockene Augen" wird umgangssprachlich für Keratoconjunctivitis sicca verwendet. In diesen Begriff haben die lateinischen bzw. griechischen Worte: kerato - Hornhaut (gr.), conjunctiva - Bindehaut (lat.) und sicca - trocken (lat.) Eingang gefunden.
Im täglichen Sprachgebrauch und auch in der Augenheilkunde hat sich der Begriff "Trockene Augen" oder "Dry Eye" international durchgesetzt. Es handelt sich dabei um eine komplexe Erkrankung, die mit einer Verminderung der Tränenmenge oder einer veränderten Zusammensetzung des Tränenfilms einhergeht. Daher wird auch allgemein von einer Benetzungsstörung des Auges gesprochen. Weitere Synonyme für den Begriff "Trockene Augen" sind "Dry eye syndrome" und "Sicca-Syndrom".
Häufig werden trockene Augen, oftmals von den Betroffenen selbst, bagatellisiert und als reine Befindlichkeitsstörung angesehen. Es ist jedoch mehr als das - in vielen Fällen handelt es sich um eine ernsthafte akute oder chronische Erkrankung.
Betroffen sind vor allem Frauen, die sich in einer Phase der Hormonumstellung befinden (Menopause, Pille, Schwangerschaft) und ältere Menschen. Zunehmend klagen allerdings auch jüngere Menschen über diese Beschwerden. Computerarbeitsplätze, moderne, klimatisierte Bürobedingungen fördern die Entstehung von trockenen Augen. Ein derartigverursachtes "Trockenes Auge" wird umgangsprachlich als "office eye syndrome" bezeichnet.
Auch die zunehmende Belastung durch Umweltschadstoffe und Zigarettenqualm hat einen wesentlichen Anteil an der Entstehung der Erkrankung. Leichte, gelegentliche Beschwerden (z. B. müde Augen durch PC-Arbeit) stellen noch keine ernsthafte Erkrankung dar und können durch die Gabe von künstlichen Tränen meist gut therapiert werden.
Anders dagegen muss das "Trockene Auge" bei chronischen, stärkeren Symptomen betrachtet werden. Dann stellt es eine ernsthafte Erkrankung dar, die unbehandelt unter Umständen schwere Folgeschäden am Auge verursachen kann!
Zusammenfassung
Die Erkrankung "Trockene Augen" kann als chronisches oder akutes Phänomen vorliegen. Symptome können in verschiedenen Schweregraden auftreten. Eine schwerwiegende Benetzungsstörung des Auges kann unbehandelt unter Umständen zu schweren Folgeschäden am Auge führen.
Epidemiologie
Das "Trockene Auge" ist eine häufig auftretende Erkrankung. Schätzungsweise einer von fünf Patienten, die beim Augenarzt vorstellig werden, hat entsprechende Beschwerden.
Diese Verteilung spiegelt auch die Inzidenz (Anzahl an Neuerkrankungen) in der Bevölkerung wider: In der Altersgruppe zwischen 45 und 54 Jahren sind etwa 20 Prozent aller Frauen und 15 Prozent aller Männer betroffen. In der Altersgruppe ab 55 Jahren steigt der Anteil der Frauen, die am Trockenen Auge leiden. Insgesamt schätzen Experten die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf etwa 10-12 Millionen.
Zu berücksichtigen ist dabei, dass gerade die Anzahl jüngerer Betroffener mit dem Grad der Umweltverschmutzung und der Veränderung der Lebensbedingungen (z. B. durch Bildschirmarbeit, Klimaanlagen, Tragen von Kontaktlinsen) weiter zunimmt.
Betroffene finden sich oft mit einer vermeintlichen "Befindlichkeitsstörung" ab. Aber auch sie profitieren, egal, ob sie nun an einem Trockenen Auge leiden oder tatsächlich "nur" eine Befindlichkeitsstörung haben, von Tränenersatz mitteln. Der Markt für diese Präparate ist daher auch aus der Sicht der Apotheke sehr viel größer, als bislang angenommen.
Zusammenfassung
Im Durchschnitt ist fast jeder fünfte Bundesbürger von Trockenen Augen betroffen. Die Tendenz ist durch die Veränderung der Umwelt- und Lebensbedingungen steigend.
Symptome
Personen mit ausgeprägten trockenen Augen haben eine eingeschränkte Lebensqualität, die mit der chronischer Schmerzpatienten vergleichbar ist. Die Symptome des Trockenen Auges schränken dabei ihr Leben z. T. erheblich ein. Sie beklagen ein intensives Fremdkörpergefühl im Auge (hier wird manchmal auch von "Sandkorn-Gefühl" gesprochen). Jede Lidbewegung ist schmerzhaft und das Auge erscheint insgesamt stumpf, ohne den natürlichen Glanz. Ferner können kleine Verletzungen in der Cornea (Hornhaut) auftreten, die bei genauerem Hinsehen sichtbar werden.
Beim morgendlichen Erwachen haften die Lider förmlich auf dem Augapfel, und einige Betroffene beklagen zudem eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit.
Ein weiteres, durchaus häufiges Symptom sind tränende Augen. Oft sind Betroffene der Meinung, dass ihre tränenden Augen nichts mit einem Trockenen Auge zu tun haben können. Ein "Trockenes Auge" kann allerdings auch durch eine Störung der Lipid-Komponente des Tränenfilms verursacht werden. Diese stabilisiert den Tränenfilm, hält ihn zusammen und schützt vor Verdunstung. Ist die Lipid-Komponente gestört, wird der Tränenfilm nicht mehr zusammen gehalten und "läuft aus" - das Auge tränt und wird trocken.
Wie bei der allergischen Konjunktivitis (siehe "Allergisches Auge") kann sich auch beim Trockenen Auge die Bindehaut entzünden. Dies macht sich durch Brennen und Jucken im Auge bemerkbar.
Neben den Symptomen schränken noch eine Reihe weiterer Begleiterscheinungen des Trockenen Auges das Leben der Betroffenen unter Umständen ein. Dazu gehört z. B., dass die meisten Personen mit Trockenen Augen Augenkosmetika nicht vertragen und oft auch Probleme beim Tragen von Kontaktlinsen haben. Diese schwimmen auf dem Tränenfilm und sind dadurch frei beweglich. Wenn der Tränenfilm aufgrund des Trockenen Auges zu dünn ist, kann dies zu einem unangenehmen Fremdkörpergefühl und in Verbindung mit Kontaktlinsen zudem zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Auges führen. Kontaktlinsen besitzen zudem materialbedingt geringfügig wärmedämmende Eigenschaften. Sie können daher die Temperatur der Hornhaut erhöhen, dies wiederum fördert die Verdunstung der Tränenflüssigkeit.
Aus diesem Grund müssen selbst Kontaktlinsenträger mit gesunden Augen an Orten mit geringer Luftfeuchtigkeit (z. B. im Flugzeug) oft zusätzliche Maßnahmen zur Befeuchtung ihrer Augen (Nachbenetzung) ergreifen.
Zusammenfassung
"Trockene Augen" gehen in der Regel mit einem oder mehreren der folgenden Symptome einher:
Fremdkörpergefühl (Sandkorn-Effekt)
Brennen und Juckreiz
Schmerzen und Bindehautrötung
Tränende Augen
Verklebte Augenlider
Lichtempfindlichkeit
Unverträglichkeiten von Kosmetika (z. B. Kajalstifte) und Kontaktlinsen
Wird ein "Trockenes Auge" nicht oder unzureichend behandelt, kann sich die Symptomatik im Laufe der Zeit erheblich verschlimmern. Ist die Augenoberfläche über längere Zeit zu trocken, können kleine Verletzungen entstehen und die normalerweise transparente Hornhaut kann im Extremfall undurchsichtig werden.
In der Hornhaut befinden sich keine Blutgefäße, damit eine klare Durchsicht möglich ist. Die Ernährung und Sauerstoffversorgung muss daher auf anderem Wegen erfolgen. Die Diffusionsprozesse durch den Tränenfilm sind dabei von essenzieller Bedeutung. In der Tränenflüssigkeit ist der Sauerstoff aus der Luft gelöst und bildet damit für die Hornhaut die Hauptsauerstoffquelle. Kann der Tränenfilm diese Aufgabe nicht mehr oder nur unzureichend erfüllen, muss die Hornhaut über die Bindehautgefäße mitversorgt werden. Weil die Blutgefäße in diesem Fall stark anschwellen, entwickeln die Betroffenen dann ein stark gerötetes Auge. Ein zu geringes Tränenvolumen geht immer auch mit einem Mangel der in der Tränenflüssigkeit vorhandenen keimtötenden Substanzen einher. Daher sind "Trockene Augen" auch vermehrt infektionsgefährdet.
Zusammenfassung
"Trockene Augen" können als Komplikationen gerötete, entzündete Augen, Infektionen und eine Verletzung der Hornhaut zur Folge haben.
Ursache
Der Tränenapparat
Ein ausreichendes Verständnis der krankhaften Vorgänge beim Trockenen Auge erfordert zunächst eine kurze Beschäftigung mit dem Aufbau und der Funktion des Tränenapparates. Nur ein optimal funktionierendes Tränenflüssigkeitsbildungs- und -ableitungssystem kann die vielfältigen Aufgaben für das Auge bestmöglich erfüllen:
Befeuchtung der Horn- und Bindehaut
Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen
Ausgleich kleinerer Unebenheiten auf der Hornhaut- und Bindehaut
Abwehr von Bakterien und Viren durch Enzyme und Antikörper
Ausspülung von Fremdkörpern und abgeschilferten Zellen
Bildung der optischen Oberfläche des Auges
Für die Bildung der Tränenflüssigkeit, der wässrigen Komponente des Tränenfilms, ist vornehmlich die seitlich oberhalb des Auges gelegene Tränendrüse verantwortlich. Die dort produzierte Tränenflüssigkeit wird über viele kleine Kanäle in Richtung Augenoberflächeabgeleitet. Die Schleimkomponente des Tränenfilms wird vor allem in den Becherzellen der Bindehaut, die Lipid-Komponente in den Meibom-Drüsen am Lidrand gebildet. Der gesamte Tränenfilm wird mit jedem Lidschlag gleichmäßig über die Hornhaut verteilt. Über ein spezielles System wird die Tränenflüssigkeit dann wieder abgeleitet. Dazu passiert sie zwei kleine Öffnungen, die Tränenpünktchen, die in ein oberes und unteres Tränenröhrchen münden. Von dort erfolgt eine Entleerung in den Tränensack, der seinerseits in den Tränen-Nasengang mündet. Letztlich fließt die Tränenflüssigkeit in die untere Nasenmuschel ab.
Die Funktion dieses Systems zeigt sich manchmal besonders eindrucksvoll: Beim Weinen werden vermehrt Tränen produziert. Die Auffangkapazität der tränenableitenden Wege ist jedoch begrenzt. Daher kommt es zum Rückstau. Die Tränen treten über den Lidrand und fließen die Wangen hinab. Dennoch arbeitet auch das ableitende System auf Hochtouren. Vermehrt findet daher Tränenflüssigkeit den Weg in die Nasenmuschel. Weinenden läuft aus diesem Grund meist die Nase.
Zusammenfassung
Der Tränenapparat erfüllt vielfältige Hilfs- und Schutzfunktionen. Zu ihm gehören u. a. die Tränendrüse, die Becherzellen, die Meibom-Drüsen und die ableitenden Tränenwege.
Der Tränenfilm
Bei einem gesunden, jungen Menschen benetzt der Tränenfilm das Auge gleichmäßig und überzieht die Binde- und Hornhaut. Bei der mikroskopischen Betrachtung der Hornhaut fällt auf, dass sich das Hornhautepithel durch eine ungewöhnliche Strukturbesonderheit auszeichnet: Es besitzt eine stark vergrößerte Oberfläche, die eine besonders intensive Sauerstoffversorgung gewährleisten kann. Dies wird durch eine starke Auffaltung über so genannte Mikrovilli (Zellfortsätze, die zur Oberflächenvergrößerung von Zellen und damit der Verbesserung des Stoffaustausches dienen) erreicht. Der Vorteil einer nunmehr größeren Oberfläche ist jedoch mit einem bedeutenden Nachteil verbunden. Denn Flüssigkeiten haften an derartig rauen Oberflächen sehr schlecht. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Wassertropfen nur an besonders glatten Oberflächen schnell abperlen. Auch mikroskopisch raue Oberflächen zeigen diese Eigenart.
Direkt auf der Hornhaut befindet sich eine innere schleimige Komponente, die so genannte Mucin-Komponente. Diese hat eine Dicke von ca. 0,2 - 0,5 µm. Den volumenmäßig größten Anteil mit ca. 2,85 µm stellt die darauf liegende, mittlere wässrige Komponente (Tränenflüssigkeit) dar. Abgeschlossen wird der Tränenfilm durch einen dünnen Fettfilm, die sog. Lipid-Komponente mit einer Dicke von etwa 0,1 µm. Jede der drei Komponenten erfüllt spezielle Aufgaben, die in den folgenden Absätzen eingehender behandelt werden.
Zusammenfassung
Der Tränenfilm benetzt die Horn- und Bindehaut. Er besteht aus drei unterschiedlichen Phasen. Die Hornhaut besitzt eine vergrößerte Oberfläche, die schlechter zu benetzen ist als eine glatte Oberfläche.
Mucin-Komponente
Die Mucin-Komponente ist die innere, schleimhaltige Komponente des Tränenfilms. Mit den enthaltenen sauren Mucopolysacchariden erhöht sie das Adhäsionsvermögen (Haftvermögen) der Hornhaut. Die langkettigen Moleküle der Mucin-Komponente glätten die raue Oberfläche der Hornhaut wirkungsvoll. Sie fließen in einer etwa 0,2 µm dicken, schleimartigen Schicht zwischen die Mikrovilli der Hornhaut und ermöglichen der darüber liegenden wässrigen Schicht eine verlässliche Haftung. Feine Unebenheiten der Horn und Bindehaut werden somit verlässlich ausgeglichen. Mucine entstehen größtenteils in speziellen Becherzellen, die in die Bindehaut eingebettet sind. Man unterscheidet Mucine, die im Hornhaut- und Bindehautepithel verankert sind von Mucinen, die in der wässrigen Komponete verteilt sind.
Wässrige Komponente
Die darüber liegende - knapp 2,85 µm starke - wässrige Phase, die den Hauptteil des Tränenfilms bildet, kann mittels der Mucin-Komponente auf der Hornhaut haften und gleiten, ohne abzuperlen. Die wässrige Komponente Sie ist für die Befeuchtung des Auges und die Versorgung der Hornhaut zuständig. Dabei liefert sie der Hornhaut den notwendigen Sauerstoff und transportiert das Kohlendioxid ab. Außerdem schützt sie das Auge vor Infektionen. Dazu enthält die wässrige Komponente z. B. spezifische Lysozyme, die eine bakterizide Wirkung entfalten können. Eine weitere wichtige Funktion ist die mechanische Ausschwemmung von Fremdpartikeln und abgestoßenen körpereigenen Zellbestandteilen. Im Bedarfsfall kann die Sekretion der Tränenflüssigkeit schlagartig stark erhöht werden, so dass etwa ein auf das Auge geratenes Insekt im wahrsten Sinne des Wortes schnellstens wieder "ausgespült" werden kann. Der mengenmäßig größte Teil der wässrigen Komponente entsteht dabei in der Haupttränendrüse. Ein kleines Volumen wird von einigen akzessorischen Tränendrüsen (spezielle Tränendrüsen in der Bindehaut der Augenlider) bereitgestellt.
Die Lipid-Komponente
Die Verdunstung des Flüssigkeitsfilms (wässrigePhase) wird durch eine nur 0,1 µm dicke, abschließende Lipid-Komponente minimiert. Die Lipide wirken für die darunter liegenden Phasen gewissermaßen als Sperrschicht und vermindern deren Verdunstung erheblich. Außerdem haben sie eine hohe Oberflächenspannung.
Zu den Ursachen für das "Trockene Auge" zählen:
Endogene Einflüsse
Zunehmendes Alter
Rheuma, Diabetes
Hautkrankheiten (z. B. Neurodermitis)
Hormonumstellungen (Schwangerschaft, Stillzeit, Wechseljahre)
Nervenlähmungen infolge eines Schlaganfalls
Exogene Einflüsse
Umwelt-/Klimabelastungen (z. B. Ozon)
Klimaanlagen, trockene Heizungsluft
Bildschirmtätigkeit, Fernsehen
Medikamente (z. B. Betablocker, Anti-Glaukomatosa, "Pille")
Diagnose
Die Diagnose der trockenen Augen stützt sich in erster Linie auf subjektive Beschwerden und die Angabe typischer Symptome. Die Beschwerden der Patienten korrelieren oft nur unzureichend mit den klinischen Befunden. Einen einfachen, beweisenden Test gibt es noch nicht. Bei der Bestimmung des Schweregrades eines Trockenen Auges ist der Weg zum Augenarzt unumgänglich. Erste Linderung bringt Betroffenen aber auf jeden Fall der Einsatz von künstlichen Tränen, die sie selbst in der Apotheke kaufen können.
Dem Augenarzt stehen verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung, um festzustellen, ob und in welchem Stadium sein Patient an einem Trockenen Auge leidet. Zunächst werden mögliche Symptome mittels einer ausführlichen Anamnese abgeklärt. Dann werden Bindehaut, Hornhaut und die Schichten des vorderen Augenabschnitts auf Rötungen und Trübungen untersucht.
Therapie
Die Therapie des Trockenen Auges kann sowohl ursächlich als auch symptomatisch erfolgen. Im ersten Falle werden die Ursachen therapiert, im zweiten werden die Symptome gemildert bzw. beseitigt. Ziel einer Therapie ist es, eine normale Tränensekretion zu ermöglichen und die natürliche Schutzfunktion des Tränenfilms wieder herzustellen.
Behandlung der Symptomatik
Die Basis jeder Trockenen-Augen-Therapie bildet heute die Gabe von Tränenersatzmitteln, sog. Künstlichen Tränen. Die Symptome des Trockenen Auges werden je nach Schweregrad durch künstliche Tränen in Form von Tropfen oder Gelen behandelt. Der Einsatz von Tränenersatzmitteln verhindert die Austrocknung der Horn- und Bindehaut und lindert so die Beschwerden. Eine symptomatische Behandlung muss in der Regel immer als Langzeittherapie geführt werden. Es gibt eine Reihe verschiedener Präparate, die als wirksamen Bestandteil ein Verdickungsmittel (Polymer) enthalten, welches dafür sorgt, dass das Tränenersatzmittel länger auf der Augenoberfläche haftet. Andere Inhaltsstoffe regulieren beispielsweise den Salzgehalt und den pH-Wert und passen diese an die natürliche Tränenflüssigkeit an.
Tränenersatzmittel sind in der Regel sehr gut verträglich. Allergien gegen Bestandteile von Tränenersatzmitteln werden - auch bei häufiger Anwendung - sehr selten beobachtet. Gewöhnungseffekte sind nicht bekannt - die eigene Tränenproduktion lässt also auch bei regelmäßiger Anwendung von Tränenersatzmitteln nicht weiter nach. Diese wird, ganz im Gegenteil, durch häufiges Tropfen eher angeregt.
Bei sehr häufiger Anwendung (öfter als 4-mal täglich) und für Kontaktlinsenträger sind generell unkonservierte Augentropfen angeraten. Neben dem allergenen Potenzial von Konservierungsmitteln, können diese bei dauerhafter, häufiger Anwendung zu einer Verschlechterung der Symptomatik des Trockenen Auges führen, bzw. können sich auch in die Matrix von weichen Kontaktlinsen einlagern und dadurch das Auge belasten.
Tränenersatzmittel sollen den Eigenschaften der natürlichen Tränenflüssigkeit möglichst nahe kommen. Der natürliche Tränenfilm hat einen pH-Wert zwischen 7,1 und 7,4 und eine Osmolarität von ca. 300 mOsmol/l H2O.
Funktionsweise von Tränenersatzmitteln
Diese Werte sind maßgeblich für Tränenersatzmittel. Künstliche Tränen sollten zudem transparent sein, um Sehbeeinträchtigungen auszuschließen. Um das Sehen nicht zu beeinträchtigen, sollte der Brechungsindex dem der natürlichen Tränenflüssigkeit sehr nahe kommen.
Viskosität
Eine Kenngröße von besonderer Bedeutung ist die Viskosität. Die Viskosität bezeichnet die innere Reibung oder auch Zähigkeit einer Flüssigkeit. Die Viskosität von Tränenersatzmitteln rangiert in einem sehr weiten Spektrum von 2 mPaos (niedrig viskös = dünnflüssig/ wässrig) bis 6.000 mPaos (hochviskös = sehr dickflüssig/gelartig). Ihr optimaler Wert ist stark von der Ausprägung der Erkrankung, aber auch von der individuellen Präferenz des Anwenders abhängig.
Wasser würde z. B. wegen seiner geringen Viskosität zu keinem andauernden Effekt führen. Um Augentropfen überhaupt über einen längeren Zeitraum im Auge halten zu können, müssen sie die Viskosität steigernde Zusätze oder ein langkettiges Polymer enthalten.Dies garantiert eine lange Haftung an der Hornhaut und verzögert den Abfluss der Lösung.
Die Dauer der Haftung der künstlichen Tränen hängt in entscheidendem Maße vom verwendeten Polymer und dessen Konzentration in der Lösung ab. Mittel mit längerer Verweildauer werden gerade wegen der lang anhaltenden Symptomlinderung bei schweren Formen des Trockenen Auges bevorzugt. In der Regel sind hochvisköse Gele länger haftend als niedrigvisköse Tropfen.
Substanzen
Die in Tränenersatzmitteln am häufigsten verwendeten Substanzen sind Povidon, Hypromellose (HPMC), Derivate der Polyacrylsäure (Carbomer) und Hyaluronsäure.
Die schnelle Befeuchtung des Auges ist mit einem niedrig- bis mittelviskösen Tränenersatz, wie z. B. Povidon oder Hypromellose, einfacher. Niedrig- bis mittelvisköse Tropfen eignen sich vor allem zur Therapie einer leichten und gelegentlichen Symptomatik. Gute Verträglichkeit, einfache Handhabung und schneller Wirkeintritt sind ihre wichtigsten Vorteile. Sie gehen einzige mit dem Nachteil einher, eine nicht besonders lange Verweildauer am Auge zu besitzen, so dass, je nach Schweregrad des Trockenen Auges, häufig bis sehr häufig getropft werden muss.
Hochvisköse Gele, wie z. B. Carbomer, gehen mit dem Nachteil einher, zunächst zur Schlierenbildung zu neigen. Nach ihrem Gebrauch ist zum Beispiel das Führen eines Kraftfahrzeugs oder die Arbeit am PC kurzzeitig beeinträchtigt. Gerne werden hochvisköse Gele als zusätzliche symptomatische Therapie über Nacht empfohlen, da sie besonders lange am Auge verweilen und so auch über Nacht eine lange Symptomfreiheit gewährleisten. Auch bei schweren Fällen von Trockenem Auge bringen hochvisköse Gele eine lange Linderung und senken die Tropffrequenz gegenüber niedrigviskösen Mitteln erheblich.
Eine Besonderheit bilden Tränenersatzmittel mit Hyaluronsäure. Diese sind niedrig viskös, halten jedoch länger am Auge. Hyaluronsäure hat dabei drei entscheidende Vorteile:
Zum einen ist die Hyaluronsäure mukoadhäsiv, d. h. sie haftet besonders gut an der Schleimkomponente, hat damit eine lange Verweildauer am Auge und unterstützt die Bildung eines stabilen Tränenfilms.
Der zweite Vorteil der Hyaluronsäure besteht in ihrer Viskoelastizität, d. h. zwischen den Lidschlägen ist sie höher viskös, während des Lidschlags dagegen niedriger viskös. Tränenersatzmittel mit Hyaluronsäure sind effektiv wie ein Augengel, jedoch für den Patienten so angenehm wie Augentropfen und aufgrund dieser Wirkstoffeigenschaften für alle Formen des Trockenen Auges geeignet.
Der dritte Vorteil, den die Verwendung von Hyaluronsäure mit sich bringt, ist ein zusätzlicher wundheilungsfördernder Effekt. Bei kleineren Verletzungen oder Reizungen im Auge, z. B. an der Hornhaut kann Hyaluronsäure den Heilungsprozess unterstützen.
Zusammenfassung
Tränenersatzmittel werden als symptomatische Therapie eingesetzt und müssen den natürlichen Eigenschaften der Tränenflüssigkeit so gut wie möglich entsprechen. Für die individuelle Therapie ist die Art des verwendeten Polymers und die Viskosität der Tränenersatzmittel entscheidend. Hyaluronsäure ist dabei, aufgrund seiner besonderen Eigenschaften, für alle Formen des Trockenen Auges geeignet.
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